Die Grundlagen
Maria Montessori & ihre Pädagogik
Eine außergewöhnliche Frau
Maria Montessori
Maria Montessori wurde 1870 in Chiaravalle in Italien geboren. Sie interessierte sich schon in ihrer Jugend für Naturwissenschaften und besuchte gegen die Widerstände ihres Vaters eine technische Oberschule. Anschließend kämpfte sie um einen Studienplatz an der Medizinischen Hochschule. Mit Erfolg. Sie studierte ab 1892 als eine der fünf ersten Frauen Italiens Medizin.
Montessori spezialisierte sich auf Kinderheilkunde und arbeitete nach abgeschlossenem Studium in der Abteilung für Kinderpsychiatrie der römischen Universitätskinderklinik. Hier setzte sie sich insbesondere für geistig behinderte Kinder ein, denn sie war betroffen von deren Verwahrlosung und würdelosen Behandlung. So begann sie, sich mit Pädagogik auseinanderzusetzen.
Auf Basis ihrer Beobachtungen entwickelte Montessori neue pädagogische Ansätze, sowie das Montessorimaterial und erzielte dabei erstaunliche Fortschritte bei den ihr anvertrauten Kindern. Das Interesse für ihre Pädagogik nahm somit immer mehr zu. Montessori führte Fortbildungen für Lehrer und Lehrerinnen durch.
1898 brachte Maria Montessori ihren unehelichen Sohn Mario zur Welt, der in einer Pflegefamilie aufwuchs.
1907 leitete Montessori ihr erstes Kinderhaus für Kinder ohne Beeinträchtigung. Ihre Art mit Kindern umzugehen war so erfolgreich, dass nur wenige Jahre darauf in ganz Italien ähnliche Kinderhäuser entstanden und etwas später sich auch in Europa und Amerika eine pädagogische Bewegung auf Basis der Montessori- Methode entwickelte.
Maria Montessori zog sich dann aus der praktischen Arbeit mit Kindern zurück und widmete sich ganz der Erforschung kindlicher Bedürfnisse und der Verbreitung ihrer Methode. Ab 1936 entwickelte sie die kosmische Erziehung für Schulkinder.
1939-1949 verbrachte Maria Montessori, gemeinsam mit ihrem Sohn Mario, in Indien, wo sie zusammen zahlreiche Vorträge und Ausbildungskurse abhielten. 1949 kehrte sie nach Europa zurück und lebte von da an in den Niederlanden, wo sie weiterhin zahlreiche Ausbildungskurse gab. In ihren letzten Lebensjahren widmete sich Maria Montessori unter anderem intensiv dem Thema der Friedenserziehung.
Sie wurde dreimal für den Friedensnobelpreis nominiert. 1951 starb sie, fast 82- jährig, in Holland.
Maria Montessori war eine bemerkenswerte Persönlichkeit, die die Erziehung umkrempelte und einen ganz neuen Blick auf die Kinder eröffnete. Sie war ihrer Zeit weit voraus.
"Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen."
Maria Montessori
Elemente der Montessoripädagogik
Das Kind im Mittelpunkt
Erziehung hat sich vorrangig an den psychischen und intellektuellen Bedürfnissen, Neigungen und Begabungen der einzelnen Schüler*innen zu orientieren. Es stellt sich also immer wieder die Frage: „Was braucht dieses Kind oder dieser Jugendliche gerade jetzt für seine optimale Entwicklung und was können die Lernbegleiter*innen dazu beitragen?“
Entwicklungsphasen
Die Entwicklung vom Neugeboren zum Erwachsenen stellt Maria Montessori in einem Modell dar, das sie in drei große Entwicklungsstufen mit den Altersklassen 0-6, 6-12 und 12-18 Jahre aufteilt, plus die Stufe des reifen Erwachsenen. Jede Entwicklungsstufe geht mit eigenen Entwicklungsbedürfnissen beim Kind bzw. Jugendlichen einher. Deshalb gibt es für jede Stufe ein separates Erziehungsmodell.
Innerer Bauplan
Kinder und Jugendliche tragen eine Kraft in sich, mit der sie selbst die Entwicklung und Reifung zum Erwachsenen vollbringen. Alles dafür ist in ihnen angelegt. Unterstützend braucht es den Erwachsenen, der die Umgebung der Heranwachsenden so gestaltet, dass sie aus sich heraus aktiv werden und Erfahrungen machen können.
Freiheit und Grenzen
Der Mensch strebt von Beginn seines Lebens an nach Freiheit und Unabhängigkeit. Sie sind der Schlüssel zur Persönlichkeitsentwicklung und Potentialentfaltung. Gleichzeitig braucht es Regeln und Grenzen, um als Gemeinschaft gut zusammen leben zu können. Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo das Wohlergehen der Gemeinschaft beeinträchtigt wird.
Sensible Phasen
Die sensiblen Phasen sind vorübergehende Zeitspannen, in denen Kinder und Jugendliche aus sich heraus besonders interessiert und empfänglich sind für ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte Fähigkeit. Bekommen sie dann die Möglichkeit dem nachzugehen, so eignen sie sich diese Fähigkeit auf natürlichem Weg und mit Begeisterung an.
Die Arbeit des Kindes
Ein starker, innerer Antrieb bringt die Heranwachsenden dazu selbstständig tätig zu sein, um Dinge auszuprobieren, zu erforschen, zu lernen. Beim kindlichen Arbeiten verbinden sich immer praktisches Tun mit emotionalen, sozialen und kognitiven Lernprozessen und die Arbeit selbst ist das Ziel.
Polarisation der Aufmerksamkeit
Wenn die Faszination eines Gegenstands und das eigene, innere Interesse aufeinandertreffen, dann werden der Mensch und die Sache eins. Kinder und Jugendliche (und auch Erwachsene) sind dann zu anhaltend konzentrierter Beschäftigung fähig und völlig versunken in eine bestimmte Tätigkeit.
Die vorbereitete Umgebung
Die vorbereitete Umgebung ist den Entwicklungsbedürfnissen angepasst und so gestaltet, dass sie den Interessen, Neigungen und Bedürfnissen der Schüler*innen entspricht. Sie bietet Freiheit innerhalb klarer Strukturen und unterstützt das selbstständige Lernen.
Freie Wahl der Arbeit
Die Schüler*innen wählen ihre Aufgaben selbst aus vorbereiteten Materialien aus. Tempo, Rhythmus und die Art und Weise, wie sie lernen ist frei. Motivation und Engagement der Schüler*innen wird gefördert und sie arbeiten mit Ordnung, Ausdauer und Disziplin.
Altersmischung
Die Schüler*innen lernen ganz selbstverständlich sich gegenseitig zu unterstützen. Je heterogener die Gruppe ist, desto mehr zeigen sich die Unterschiede der Schüler*innen und umso mehr können sie voneinander profitieren.
Erziehung zum Frieden
Frieden wird gefördert, indem der Erwachsene die Kinder und Jugendlichen respektiert und sie als Menschen betrachtet, die ihre eigene Würde haben. Die Heranwachsenden können durch eine geeignete Umgebung ihre Individualität entwickeln und zeigen so eine höhere Bereitschaft friedfertig auf andere einzugehen.
Der Lehrer als Beobachter und Begleiter
Die Bedürfnisse der Schüler*innen haben Vorrang vor den Plänen der Lehrer*innen. Sie treten als Beobachter*innen in den Hintergrund und werden bei Bedarf zu unterstützenden Lernbegleiter*innen.
